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Corona – Aus Sicht einer Schülerin

Der Coronavirus beeinträchtigt unseren Alltag nun fast drei Monate. In dieser Zeit habe ich Tagebuch geführt und fasse in diesem Blogpost meine Gedanken und Gefühle sowie meine Erlebnisse zusammen.

Von Tamara Marasovic

 

13.März 2020: Die Schulen sollen deutschlandweit für fünf Wochen schließen. Diese Meldung kommt plötzlich und unerwartet. Vorinformationen seitens der Schule gibt es nicht, lediglich die Meldungen in den Nachrichten. Dies hat mich überrascht, da ich nicht damit gerechnet hätte, dass es zu einem landesweiten Ausbruch kommen würde und man nun meinen gesamten Alltag umstrukturieren muss.

16.März 2020: Heute habe ich die Arbeitsmaterialien bis zu den Osterferien erhalten. Da es viel Druckmaterial ist, habe ich mich auf den Weg zur Druckerei gemacht. Dort angekommen wurde mir gesagt, dass es nicht möglich wäre, meine Sachen per USB-Stick auszudrucken, sondern ich solle diese dem Mitarbeiter per Email schicken. Dies hat mich sehr verärgert, weil ich diese Maßnahme nicht nachvollziehen konnte. Wie hätte man sich darüber infizieren können? Den Stick hätte man schließlich desinfizieren können und das Problem wäre erledigt. Dann musste ich meine Materialien zuhause ausdrucken. Dabei habe ich mir gedacht, wie es wohl meinen Mitschülern geht, die zuhause keinen Drucker oder Computer haben. Dieser Gedanke hat mich seitdem sehr beschäftigt, weswegen ich im Internet recherchiert habe und erfahren habe, dass diese Quarantäne am meisten den Alleinerziehenden zusetzt, weil sie nicht die finanziellen Mittel haben, um den Unterricht zuhause zu ersetzen. Viele müssen auch Vollzeit arbeiten und haben dadurch keine Zeit, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. An diesem Punkt habe ich realisiert, wie privilegiert ich bin und ich alles meinen Eltern zu verdanken habe, die mir die beste Bildung ermöglichen wollen.

Auch habe ich festgestellt, dass gerade jetzt die soziale Ungleichheit in Deutschland zu Gesicht kommt und sie hoffentlich nun anerkannt und bekämpft wird.

30. März 2020: Es ist nun schon drei Wochen her, dass die Schulen geschlossen wurden. Ich habe seitdem keinen Kontakt zu Familie und Freunden gehabt, was mich sehr belastet. In diesen schweren Zeiten möchte man sich um die, die einem am nächsten sind, kümmern und mit ihnen zusammen die Zeit überstehen. Ich bin sonst ein sehr aufgeschlossener und extrovertierter Mensch, der seine sozialen Kontakte hegt und pflegt. Außerdem kann ich zu diesem Zeitpunkt den Urlaub vergessen, weshalb ich ein Jahr lang nicht Kroatien, meine zweite Heimat, besuchen und meine Familie dort nicht sehen werde. Ich habe mich so sehr darauf gefreut und nun muss ich neben der ohnehin schon belastenden Quarantäne auf den Urlaub im Sommer verzichten.

Das Homeoffice läuft zum Glück gut und ich komme recht gut mit dem Stoff alleine voran. Darüber hinaus bin ich gerade bei der Durchführung der Interviews für meine Reportage bezüglich der Digitalisierung an der Schule.

15. April 2020: Die Osterferien sind fast vorüber. Ich muss sagen, dass es sich gar nicht wie Ferien angefühlt hat, da ich viel lernen musste und mich nicht mit meinen Freunden treffen konnte. Jedoch habe ich regelmäßig mit ihnen telefoniert, sodass wir unsere Sorgen zumindest gemeinsam teilen konnten. Nächste Woche soll es laut Plan wieder mit dem Unterricht weitergehen. Jedoch zweifle ich stark daran, da sich die Infektionszahlen zwar reduziert haben, jedoch nicht dramatisch und daher sollten wir nicht zu schnell handeln. Ich habe Angst davor, dass sich die Lage, wenn die Schulen und Geschäfte wieder öffnen, wieder verschlechtert und die Quarantäne umsonst war!

17. April 2020: Es hat eine Planänderung stattgefunden, wir werden vorerst noch weitere zwei Wochen Quarantäne verbringen. Langsam empfinde ich die Isolation als Zumutung, weil mir meine Freunde fehlen und ich nicht meinen Hobbys nachgehen kann. Meine Freizeitbeschäftigungen bestehen zur Zeit aus Spaziergängen, Homeworkouts und Lesen. Da ich nie wirklich faulenzen kann, übe ich an meinen künstlerischen und sprachlichen Fähigkeiten, indem ich online Zeichen-Videos schaue und weiter Italienisch lerne.

27. April 2020: Ab heute dürfen wieder Geschäfte bis zu max. 800 Quadratmetern öffnen, jedoch unter strengen Hygienevorschriften. Es ist immerhin ein Anfang zur Wiederherstellung des „normalen“ Alltags. Ich bin noch nicht in der Stadt einkaufen gewesen, da ich hauptsächlich im Internet bestellt habe. Deswegen habe ich die schnelle Öffnung der Geschäfte nicht wirklich als notwendig empfunden, denn es sind alle möglichen Dinge, die man benötigt, im Internet verfügbar – von Lebensmitteln bis hin Elektronik. Ich musste jedoch feststellen, dass die Lieferzeit durch die Corona-Situation erheblich verzögert wurde. Ein Bauteil für meinen Laptop, das sonst ca. in 7-10 Werktagen geliefert wird, brauchte zwei Monate!

4.Mai 2020: Ab heute sollen wir Mundschutzmasken tragen. Ich habe es befürchtet. Es ist so ein komisches Gefühl nun nicht mehr frei einkaufen zu gehen oder Bus zu fahren. Ich meide Geschäfte so gut es geht, weil ich mich sehr unwohl mit einer Maske fühle, da ich nicht normal atmen kann und ich mich dadurch sehr beeinträchtigt fühle.

11. Mai 2020: Es soll heute wieder zum ersten Mal Unterricht geben, natürlich unter strengen Hygienevorschriften. Jedoch werde ich aufgrund einer Vorerkrankung vorerst nicht am Unterricht teilnehmen können. Ich hoffe, dass ich nicht weitere sieben Wochen in Quarantäne verbringen muss, da es mittlerweile wirklich anstrengend ist, so lange zuhause zu bleiben. Vor allem, weil das Wetter momentan so schön ist und ich mich lieber im Freien aufhalten würde.

15. Mai 2020: Heute war mein 18. Geburtstag, den ich nicht wie geplant im großen Stil feiern konnte. Jedoch habe ich ihn zusammen mit meiner besten Freundin verbracht, die ebenfalls während der Quarantäne Geburtstag hatte. Wir waren in einem Restaurant essen, wo wir ein Formular ausfüllen mussten. Damit man kontrollieren kann, wer sich wann und wo aufgehalten hat. Das war sehr befremdlich, da ich mich zum ersten Mal in Deutschland „kontrolliert“ gefühlt habe.

Trotz der strengen Kontrolle und der Maskenpflicht hatte ich einen schönen Geburtstag, weil das Wetter so schön war und meine Freundin und ich uns nach rund zwei Monaten endlich wiedersehen und zusammen Zeit verbringen konnten.

18. Mai 2020: Trotz meiner Vorerkrankung kann ich glücklicherweise wieder am Unterricht teilnehmen, da er nur ein bis zwei Mal wöchentlich und unter strengen Hygienemaßnahmen stattfindet. Heute habe ich seit zwei Monaten zum ersten Mal wieder Unterricht gehabt und es war sehr ungewohnt. Ich habe mich so sehr an das Homeoffice gewöhnt, dass ich mich erst einmal wieder in der Schule „einleben“ musste und es fremd war, meine Mitschüler und Lehrer wieder zu sehen. Dann wurde uns gesagt, dass wir uns heute das letzte Mal vor den Sommerferien gesehen haben und wir uns für die nächsten drei Monate nicht mehr sehen werden. Diese Nachricht hat mich ziemlich beunruhigt, weil nach den Sommerferien mein letztes Schuljahr beginnt und ich heute in einem Jahr mein Abitur ablegen werde. Daher bin ich momentan darüber verunsichert und besorgt, wie es nun für meine Mitschüler und mich weitergehen wird.

 

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