Lernen mit „Joker“: 4. Gesamtschule führt die Gleitzeit ein

31. August 2017, 17:37 Uhr

Aachen. Die 4. Aachener Gesamtschule führt die Gleitzeit ein. Für die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe bringt das eine zusätzliche Portion Freiheit. Sie können morgens später anfangen oder nachmittags auch mal früher gehen. Alltäglich ist dieses Konzept nicht. Das Gymnasium Alsdorf machte damit vergangenes Jahr sogar bundesweit Schlagzeilen.

Seit sechs Jahren ist Aachens jüngste Gesamtschule an der Sandkaulstraße jetzt in Betrieb. Und immer noch gibt es Premieren. Kurz vor den Sommerferien wurde der erste Zehnerjahrgang feierlich entlassen. Zum Schuljahresstart sortiert sich nun der allererste Oberstufenjahrgang.

„Wir haben 68 Anmeldungen für die Oberstufe“, sagt Schulleiter Hanno Bennemann. „Das ist eine sehr gute Zahl fürs erste Jahr.“ 33 der jungen Leute sind „Eigengewächse“. Sie haben an der 4. Gesamtschule die Qualifikation für die Gymnasiale Oberstufe erworben und nehmen nun Kurs aufs Abitur. 35 weitere kommen von anderen Schulen aus Aachen und der gesamten Städteregion.

Auch der Koordinator der Oberstufe ist ein Neuling an der Sandkaul­straße. Rainer Jendges kommt vom Gymnasium Alsdorf. Mit der Gleitzeit hat er also Erfahrung. „Das funktioniert wunderbar“, sagt er. Die Gleitzeit erlaube eine Anpassung an den Biorhythmus der Schüler und an persönliche Bedürfnisse. Manche kommen morgens eher langsam auf Touren und erscheinen lieber erst zur zweiten Stunde, andere wollen nachmittags pünktlich zum Fußballtraining auf dem Platz stehen.

Natürlich können die 68 jungen Leute nicht kommen und gehen, wie sie wollen. Die Gleitzeit ist eng verbunden mit dem Prinzip der individuellen Lernzeiten, in denen die Schüler ihren Unterrichtsstoff selbstständig und im eigenen Tempo erarbeiten. Die Hälfte der Unterrichtszeit ist an der Sandkaulstraße für dieses individuelle Lernen reserviert. „In der Oberstufe bieten wir 20 Lernzeiten pro Woche an“, sagt Jendges. „Zu 15 davon müssen die Schüler hingehen.“ Da kann man in der ersten Stunde schon mal eine Einheit ausfallen lassen oder am Ende des Tages früher gehen. „Die Schüler können ihr Programm von Woche zu Woche neu ihrem individuellen Rhythmus anpassen“, sagt Jendges. Über sein Arbeitspensum führt jeder Schüler ein persönliches Logbuch. Dass alle genug arbeiten, ist damit sichergestellt.